Vom Expressionismus zur Neuen Sachlichkeit

Künstlerische Avantgarden in Soest 1918-1934

Eine Ausstellung im Museum Wilhelm Morgner, Soest 5. September bis 28. November 2021

Avantgardekunst in der Provinz? Die Kunstgeschichte der klassischen Moderne in den großen Metropolen wie Berlin, München, Dresden, Hamburg usw. ist hinlänglich bekannt. Aber in der Provinz? Gab es da überhaupt genug Künstler, die sich an der internationalen Avantgardekunst orientieren konnten? Hat die Kunstgeschichtsschreibung hier eine Entwicklung unterschätzt, die eher im Verborgenen blühte?

Die Kunstgeschichte der Stadt Soest ist eine solche verborgene Blüte. Der in Soest wirkende Maler Wilhelm Morgner, der 1917 fiel, wurde zunächst von seinen Soester Mitbürgern als skurriler Außenseiter betrachtet, mit dessen Kunst man nichts anfangen konnte. Doch die Situation änderte sich grundlegend nach 1918. In diesem Jahr gab es in Soest eine erste Ausstellung über den in den letzten Kriegstagen gefallenen Maler Franz Nölken. Weitere Ausstellungen mit Werken von Wilhelm Morgner, Eberhard Viegener, Wilhelm Wulff und Arnold Topp sollten folgen. 1919 wurde Soest in einem Zeitungsartikel als „WiegeneuerKunst“ bezeichnet. Schriftsteller wie Will Frieg und Theodor Däubler sprachen von einer neuen Soester Malerschule, die an die mittelalterliche Kunsttradition der Stadt anknüpfte. Und der Maler und Mentor Morgners, Georg Tappert, machte diesen in Berlin bekannt und verfasste selbst eine Reihe von Aufsätzen, um den Ruf des früh verstorbenen Soester Künstlers zu festigen.

1925 tauchte die Bezeichnung „Jung-Soester Kunst“ auf, ein Jahr später wird Soest als „Kunststadt“ bezeichnet. Ein Kunsthistoriker nannte Soest 1929 einen „Brennpunkt wahrhaft schöpferischer Kräfte“. 1923, und dann vor allem ab 1929 fanden in Soest mehrere Ausstellungen statt, die die Soester Avantgardekünstler weit bekannt machten. Der Begriff „das junge Soest“ war nun eng mit Soest als Kunststadt verbunden.

Daneben gab es eine Reihe von Einzel- und Gruppenausstellungen der Soester Künstler in allen wichtigen Galerien und Museen Deutschlands. Anfang der 1930er Jahre begann die Stadt mit dem Ankauf des Nachlasses von Wilhelm Morgner, der jetzt den Kernbestand des gleichnamigen Kunstmuseums ausmacht. Der Ruf Soests als Kunststadt schien gefestigt, bis nach 1933 die nationalsozialistische Kunstdiktatur der jungen Avantgardekunst den Garaus machte.

Die Ausstellung beleuchtet die Geschichte Soests als Kunststadt und ihre außergewöhnliche Ausstellungstätigkeit in den Jahren von 1918 bis 1934. Sie zeigt ca. 200 Gemälde, Grafiken sowie Skulpturen von Otto Modersohn, Christian Rohlfs, Emil Nolde, Franz Nölken, Wilhelm Morgner, Arnold Topp, Eberhard und Fritz Viegener, Wilhelm Wulff, Hermann Kätelhön, Josef Albert Beckert, Walter Schöttler, Hedwig Maria Ley sowie erstmals in Soest Johannes Molzahn. In der Ausstellung werden viele Leihgaben von Museen aus ganz Deutschland sowie eine große Anzahl privater Leihgaben gezeigt werden, viele davon zum ersten Mal. Ein umfangreiches Programm mit Führungen, Gesprächen und museumspädagogischen Aktivitäten wird die Ausstellung begleiten.

Aktuelle Hinweise finden sich auf der Website des Museums: museum-wilhelm-morgner.de.

Den Flyer zum Rahmenprogramm der Ausstellung können Sie hier herunterladen.

Wir freuen uns über die Parallelausstellung "Im Westen viel Neues" des Sauerland-Museums. Die beiden Museen in Arnsberg und Soest nehmen das Thema "Expressionismus" in den Blick. Dabei bezieht sich das Museum Wilhelm Morgner auf die Künstler:innen, die in Soest tätig waren. Das Sauerland-Museum thematiersiert den rheinischen und westfälischen Expressionismus. Da beide Ausstellungen das gleiche Thema erleben lassen, rücken nun vielfältige Facetten des Expressionismus im Rheinland und in Westfalen in den Fokus. Die Ausstellung wird im Rahmen der Kunst- und Kulturförderung vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.

Hier finden Sie das entsprechende Plakat und gelangen direkt zur Webseite des Sauerland-Museums.

Parallelausstellung des Kunstvereins Kreis Soest e. V.

ZWISCHEN GEGENSTÄNDLICHKEIT UND ABSTRAKTION
Junge Kunst im Dialog mit Künstlern der Klassischen Moderne

Ausstellung vom 4. September bis 31. Oktober 2021

Vor 100 Jahren gab es in Soest eine Kunstavantgarde, die als „Junge Soester Kunst“ bezeichnet wurde. Die damaligen Arbeiten vereinen expressionistische, abstrakte und neusachliche Stilrichtungen. Eine Ausstellung im Museum Wilhelm Morgner in Soest im Herbst 2021 geht den Spuren dieser Künstler nach und vereint die wichtigsten Werke der damaligen neuesten Kunst.

100 Jahre später, ebenfalls im Herbst 2021, hat der Kunstverein Kreis Soest e. V. junge Künstler und Künstlerinnen unserer Zeit eingeladen, mit ihren Werken in einen Dialog mit den Künstlern der Klassischen Moderne einzutreten. Viele junge Künstlerinnen und Künstler zwischen 18 und 35 Jahren aus allen Teilen Deutschlands sind dem Ruf gefolgt und haben ihre Arbeiten eingereicht. Daraus ist eine moderne Avantgardeausstellung unterschiedlichster Stilrichtungen geworden, die nicht nur auf die Künstler der damaligen Avantgarde antwortet, sondern auch auf hohem Niveau ein Spiegelbild der Kunst unserer Zeit gibt. Der Katalog vereint die Werke der eingeladenen Künstlern und Künstlerinnen einschließlich ihrer eigenen Reflexionen über ihre Kunst.

Es nehmen teil:

Benjamin Tiberius Adler, Bissan Badran, Anastasia Batishcheva, Patrick D. Brockmann, Edgar Daniel, Kathrin Edwards, David  Carol Fedders, Julia Firmbach, Sandra Flegler, Jakob Gaumer, Florian Glaubitz, Annkathrin Kemper, Zhiyi Liu, Max Pimpernelli, Viktoria Plinke, Michéle Reby, Julius Reinders, Vignesan Shanmuganathan, Margarethe Ucinski, Philipp Valenta, Tatiana Vishnyakova, Emil Wesemann, Nina Wolf

Stadt Soest
Am Vreithof 8
59494 Soest

Telefon:  02921 / 103-0
Fax:         02921 / 103-9999
E-Mail:    post(at)soest.de

Letzte Aktualisierung
16.08.2021 | 09:02 Uhr