Soester Künstler in Künstlerkolonien

Ein neues Kapitel der Soester Kunstgeschichte:
Hermann Kätelhön- Otto Modersohn- Eduard Bischoff

Eine neue Ausstellung des Kunstvereins Kreis Soest im Museum Wilhelm Morgner beleuchtet ein bisher noch nicht erforschtes Kapitel der Soester Kunstgeschichte: Hermann Kätelhön, Otto Modersohn und Eduard Bischoff erhielten entscheidende künstlerische Anregungen durch ihre Aufenthalte in den Künstlerkolonien Willingshausen, Worpswede und Nidden.

Die Künstlerkolonie Willingshausen im Norden von Hessen geht zurück auf die 1820er Jahre und steht damit am Beginn der Entwicklung von Künstlerkolonien, die im Laufe des 19. Jahrhunderts in vielen Ländern Europas entstanden. Es waren zumeist abgelegene, ländlich geprägte Orte mit einer einheimischen, bäuerlichen Bevölkerung, die die jungen Künstler anzogen. Hier glaubte man ein natürliches, einfaches Leben zu finden, das von den modernen Umwälzungen in Wissenschaft und Technik sowie einer großstädtischen Zivilisation noch unberührt war. Fern vom erstarrten Akademiebetrieb hoffte man Anregungen für eine neue Kunst zu finden, deren Motive die naturbelassene Landschaft und das traditionelle bäuerliche Leben waren.

Hermann Kätelhön fand 1908 in Willingshausen einen Kreis gleichgesinnter Maler, die ihn herzlich aufnahmen, so dass er später von seinem „Paradies“ reden konnte. Er schuf, wie seine Malerkollegen, zahlreiche, ausdrucksstarke Porträts der einheimischen, bäuerlichen Bevölkerung. Später ging er nach Essen, wo er zum Chronisten der modernen Bergwerksindustrie wurde. 1930 zog er nach Wamel am Möhnesee um und versammelte in seiner Druckwerkstatt zahlreiche Künstler um sich, um dort zu arbeiten und zu leben. Dort knüpfte er an seine Erfahrungen aus der Willingshäuser Malerkolonie an.

Otto Modersohn gehört zu den Begründern der wohl bekanntesten deutschen Künstlerkolonie, Worpswede, die im späten 19. Jahrhundert entstand. In der Ausstellung werden seine Landschaftsbilder den Texten aus der Worpswede-Monografie von Rainer Maria Rilke gegenübergestellt. In seinem 1902 erschienenen Buch hatte Rilke die damals in Worpswede ansässigen Maler und ihre Kunst in dichterisch vollendeten Texten gewürdigt. In der Zusammenschau von Bild und Text erscheint die Kunst Otto Modersohns in einem neuen Licht.

Eduard Bischoff gehört zu den ostpreußischen Künstlern, die bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges regelmäßig nach Nidden auf der Kurischen Nehrung kamen, um zu malen. Die Ausstellung zeigt neben Eduard Bischoff namhafte Künstler mit eindrucksvollen, vorwiegend expressionistischen Landschaftsbildern, die die in Vergessenheit geratene Malerkolonie zu einem der bedeutendsten Zentren der klassischen Moderne wieder auferstehen lassen. Das Ende des Krieges 1945 bedeutete auch das Ende der Malerkolonie. Eduard Bischoff und andere flohen nach Westdeutschland und versuchten einen künstlerischen Neuanfang. Eduard Bischoff kam 1962 nach Soest, wo er bis zu seinem Tod lebte. Hier entstanden zahlreiche Holzschnitte. In vielen seiner Werke lebt die Erinnerung an Nidden, die Kurische Nehrung und ihre Bewohner wieder auf.

Die Ausstellung wirft auch einen Blick auf das Wirken der Künstler in der Zeit des Nationalsozialismus. Da die genannten Künstler eine eher konservative Kunstauffassung besaßen und ihre Bilder gegenständliche Motive zeigen, gehörten sie nicht zu den verfolgten Künstlern und konnten weiterhin tätig sein. Der Vereinnahmung durch die nationalsozialistische Kunstideologie entgingen sie allerdings nicht.

Zur Ausstellung erscheint ein reich bebildertes Begleitbuch, das die Künstler mit ihren Werken vorstellt und die Geschichte der drei Malerkolonien nachzeichnet.

Die Ausstellung wird am 18. Dezember 2022 im Museum Wilhelm Morgner in Soest eröffnet und ist dort bis zum 12. März 2023 zu sehen.

Klaus Kösters


Einladungskarte  Eröffnung der Ausstellung: Hermann Kätelhön – Otto Modersohn – Eduard Bischoff

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Letzte Aktualisierung
14.12.2022 | 08:22 Uhr