Startseite Stadtplan Impressum
RSS abonnieren Tweet me An Facebook senden

Ein Zeichen gegen Antisemitismus und Rassismus: Schülerinnen und Schüler putzen Stolpersteine

Rund 400 Schülerinnen und Schüler aus Soester Schulen werden am 27. Januar 2020 anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz ein deutliches Zeichen gegen Antisemitismus, Rassismus und Intoleranz setzen. Im Zentrum eines durch die Schulen und die Stadt Soest organisierten Vormittags werden die Schülergruppen die 21 Stolpersteine in der Soester Innenstadt putzen. Zum Abschluss empfängt Bürgermeister Dr. Eckhard Ruthemeyer die Kinder und Jugendlichen im Blauen Saal des Rathauses, um sich für ihr Engagement zu bedanken. Hier werden auch zwei Stücke des Musikdramas „Die Kinder der toten Stadt“ aufgeführt.

Die Stolpersteine sind kleine, im Boden verlegte Gedenktafeln. Sie erinnern an Menschen, die von den Nationalsozialisten verfolgt, vertrieben, deportiert oder ermordet wurden. Platziert sind sie auch in Soest vor den Häusern, in denen die Opfer der Nazis zuletzt wohnten. Initiiert wurde das Setzen der Stolpersteine durch den Künstler Gunter Demnig. Inzwischen liegen die Stolpersteine in 1265 Kommunen in Deutschland. 21 davon finden sich auch an Straßen innerhalb der Soester Wälle.

Die Soester Aktion zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar wurde durch den Ausschuss für Bürgerbeteiligung und Sozialwesen sowie durch den Ausschuss für Schule und Weiterbildung nach einem Antrag der Fraktion der Grünen initiiert. Ursprünglich nur für eine kleinere Schülergruppe geplant, fand die Idee schnell so viele Befürworter, dass nun alle städtischen weiterführenden Schulen und die Grundschulen mitmachen. Das Engagement der Klassen geht sogar weit über die symbolische Reinigungsaktion hinaus: Vielfach ist schon im Vorfeld die Geschichte der Judenverfolgung im Dritten Reich Thema im Unterricht. Die Jugendlichen recherchierten die Biografien jüdischer Familien aus Soest, beschäftigten sich mit der jüdischen Religion oder erstellten sogar einen Videoclip, der am 27. Januar abgespielt werden soll.

Der Gedenktag selber beginnt mit der 3. Unterrichtsstunde. Die 21 Standorte der Stolpersteine in der Altstadt sind auf die Schulen aufgeteilt worden. Nach der Reinigung und teilweise weiteren Aktionen vor Ort geht es dann zu einem Sternmarsch in die Innenstadt. Abschlussveranstaltung ist im Blauen Saal des Rathauses, wo Bürgermeister Dr. Ruthemeyer den Jugendlichen für ihr Engagement danken will.

Verwaltungsseitig wurde die Aktionen Stolpersteine durch den Abteilungsleiter Bildung und Sport, Thomas Nübel, sowie die Integrationsbeauftragte der Stadt Judith Szeili vorbereitet. Auch sie sind vom herausragend großen Echo auf die Gedenkaktion begeistert: „Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft. - Im Sinne des Zitates von Wilhelm von Humboldt können wir stolz auf unsere Schulen sowie Schülerinnen und Schüler sein, dass sie sich nicht nur aktiv den Herausforderungen des Klimawandels entgegenstellen sondern durch die Teilnahme an der „Aktion Stolpersteine“ auch das Gedenken an das Unrecht der Vergangenheit aufrecht halten und gleichzeitig für eine tolerantes, wertschätzendes Miteinander verschiedener Kulturen und Religionen in der Zukunft einstehen“, sagt Thomas Nübel.

Konkret werden die einzelnen Schulen sich neben der zentralen Reinigung der Stolpersteine wie folgt beteiligen. Weitere Grundschulen werden sich im Unterricht mit dem Gedenktag befassen.

- Patrokli-Grundschule: Im Unterricht haben die beiden 4. Klassen sich mit der Weltreligion Judentum und dem Alltag jüdischer Kinder befasst. Thematisiert wurde auch, wie es zu Hass und Verfolgung kommen konnte und was Toleranz, Respekt und Zivilcourage sind. Bei der Aktion Stolpersteine erhalten die Kinder vor Ort Informationen über die jüdischen Familien und legen Blumen nieder sowie malen eine brennende Kerze mit Straßenkriese auf das Pflaster.
- Pauli-Hauptschule: Die Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen und der Förderklassen „Sprache“ werden die Stolpersteine putzen und weiße Kerzen sowie weiße Rosen an den Steinen niederlegen. Vor Ort wird ein kurzer Austausch, über den Hintergrund der Stolpersteine generell und des Gedenktages zum Holocaust, unter den Schülern stattfinden.
- Sekundarschule Soest: Rund 50 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 8 und 9 machen mit. Sie präsentieren an jedem der beiden Stolpersteine in dialogischer Form Informationen über die jüdischen Familien, die dort gelebt haben und die deportiert worden sind.
- Hansa-Realschule: Zwei Klassen nehmen teil. Vor Ort an den Stolpersteinen werden Kerzen entzündet, ein jüdisches Lied aus dem Film „Schindlers Liste“ abgespielt und eine kleine Pflastermalerei angefertigt. Die Aktion wird für den weiteren Unterricht filmisch dokumentiert.
- Christian-Rohlfs-Realschule: In Anlehnung an Adornos Thesen in „Erziehung nach Auschwitz“ wird die Schülerinnen- und Schülergruppe der Christian- Rohlfs-Realschule am ersten Stolperstein exemplarische Quellen aus Täter- und Opferperspektive nebeneinander präsentieren. Das Hauptthema wird dabei die Deportation sein. Im Anschluss daran wird an die Opfer der Shoah insbesondere das namentliche Opfer des Stolpersteines gedacht und der Stein symbolisch gesäubert.
- Hannah-Arendt-Gesamtschule: Die Oberstufenschüler haben zu den Biographien der Soester Juden im Stadtarchiv recherchiert und kurze Filme dazu produziert. An den werden die Q2-Schüler die Biographien der Familien den Siebtklässlern vorstellen. Während des Vortrags putzen Schüler die jeweiligen Stolpersteine und legen anschließend weiße Rosen nieder. Der Geschichtskurs Q2 wird am Abend zudem in Dortmund der Holocaustüberlebende Halina Birenbaum bei einem Zeitzeugengespräch begegnen.
- Aldegrever-Gymnasium: Der Geschichtskurs bereitet den Gedenktag vor und wird an den Standorten der Stolpersteine Kurzreferate für die anderen Teilgruppen halten und zwei Gedichte aus der Publikation "Bitte, vergiss mich nicht" rezitieren. Die Jugendlichen bringen ferner jeweils Kerzen mit, die zum Gedenken an die Opfer entzündet werden.
- Archigymnasium: Schülerinnen und Schüler der Q1 lesen in der Aula ihren Mitschülern aus der Erzählung „Abschied von Sidonie“,
der Geschichte eines deportierten Roma-Mädchens. Außerdem findet ein Besuch der jüdischen Gemeinde Berlin statt.
- Conrad-von-Soest-Gymnasium: Die Schülerinnen und Schüler werden in vierköpfigen Gruppen an den Stolpersteinen gegenseitig die unterschiedlichen „Etappen der Judenverfolgung" vorstellen (Boykotte, Reichspogromnacht, Nürnberger Gesetze, Vernichtungslager). Anschließend werden sie die Steine polieren.