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Museum Wilhelm Morgner zeigt "Paris im Sinn - eine Hommage an Franz Nölken"

Franz Nölken hätte einer der Großen in der Welt der Kunst werden können. Großes Talent und nie ermüdender Arbeitseinsatz, beeindruckendes handwerkliches Können und der Wille zum Aufbruch in die Moderne, Wagemut und Selbstkritik – er hatte alle Voraussetzungen erfüllt, doch war dem ansonsten vom Glück Beschenkten, dem alles zu gelingen schien, das Glück des Überlebens
nicht vergönnt. Nur wenige Tage vor dem Ende des Ersten Weltkriegs stirbt der gebürtige Hamburger, der mit Teilen seiner Familie im westfälischen Borgeln bei Soest auf Engste verbunden war, als Soldat mit 34 Jahren am 4. November 1918.

Die Ausstellung „Paris im Sinn – Eine Hommage an Franz Nölken“ im Museum Wilhelm Morgner folgt vom 7. April bis 30. Juni 2019 seiner künstlerischen Suche – einhundert Jahre nachdem seinem Tod. Landschaftsaufnahmen, Portraits und immer wieder Aktzeichnungen und Gemälde zeigen anschaulich die Früchte seiner Auseinandersetzung mit der Kunstmetropole und seine Erkenntnisse in der Académie Matisse.

Wurde die Ausstellung pünktlich zu seinem Todestag im vergangenen Jahr im Ernst Barlach Haus in Hamburg im Jenischpark eröffnet und dort mit großer Resonanz erfolgreich präsentiert, zeigt das Museum Wilhelm Morgner sie nun in Soest, um den Hamburger Maler, der auch in Borgeln bei Soest beheimatet war, zu ehren und seine Verortung im Westfalen aufzuzeigen. Mit dem Blick auf die dörfliche Gemeinde seiner Familie wird der Ausstellung eine weitere wichtige Facette hinzugefügt. Von hier aus unternahm Nölken Reisen nach Hagen,
lernte Karlernst Osthaus kennen, besuchte das Folkwang-Museum. In Soest begegnete er den Malern Christian Rohlfs und Emil Nolde,
des letzteren farbintensives Werk ihn besonders faszinierte. Für ihn stellte er brieflich die Verbindung her zu dem Hamburger Graphik-Sammler, dem Landgerichtsdirektor Schiefler, durch dessen Einflussnahme sich in Hamburg ein „Nolde-Zentrum“ entwickelte.

Leihgaben aus Soest und Borgeln bereichern die Schau; Werke, die hier entstanden sind, so auch das Gemälde „Drei Mädchen in der Pappelallee“, „Motiv aus Borgeln“, „Am Brunnen“ weisen direkt auf Borgeln hin; die dort Dargestellten sind nach wie vor im kollektiven Gedächtnis der Gemeinde noch verankert.

Die Ausstellung schließt sich jenen zwei Ausstellungen an, die zum 100. Geburtstag des Malers 1984 und 1990 in Borgeln unter der Ägide der evangelischen Kirchengemeinde gezeigt werden konnten.

Zur Ausstellung in Hamburg ist ein reich bebilderter Katalog erschienen, der auch in Soest präsentiert wird zum Preis von 19,- Euro.

Öffnungszeiten des Museums Wilhelm Morgner: dienstags bis freitags 14 bis17 Uhr; samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr, montags geschlossen.

Eintritt: 2 Euro; Schulklassen und Jugendliche bis 16 Jahren frei; an jedem ersten Sonntag im Monat freier Eintritt.

Begleitprogramm der Ausstellung:

Öffentliche Führungen:

- Mittwoch, 8. Mai 2019 / 17:00 Uhr
-Freitag, 17. Mai 2019 / 17:00 Uhr
-Donnerstag, 23. Mai 2019 / 17:00 Uhr
- Dienstag, 28. Mai 2019 / 17:00 Uhr
- Donnerstag, 6. Juni 2019 / 17:00 Uhr
- Freitag, 14. Juni 2019 / 17:00 Uhr
- Donnerstag, 27. Juni 2019 / 17:00 Uhr

Private Führungen: Anmeldungen zu privaten Führungen per E-Mail an museen@soest.de a.werntze@soest.de / Informationen zum Begleitprogramm auf www.museum-wilhem-morgner.de

Lesung: Dr. Wolff Kalipp – „Max Reger und Franz Nölken – eine Künstlerfreundschaft“, Donnerstag, 11. April 2019, 19:00 Uhr, Eintritt frei

Barrierefreiheit: Das Museum verfügt über einen Aufzug, zwei Treppenlifte und ist barrierearm. Besuche können zudem auch individuell abgestimmt werden. Weitere Informationen unter Telefon 02921 / 103-1131.

Zur Vita von Franz Nölken:

Frühzeitig mit 16 Jahren besucht Nölken auf Empfehlung des Direktors der Hamburger Kunsthalle Alfred Lichtwark, die private, ein Jahr zuvor gegründete Malschule von Arthur Siebelist. Nicht ohne Grund hatte Lichtwark die Empfehlung ausgesprochen, denn Arthur Siebelist beschreitet nach erfolgten Studienreisen nach Holland, Frankreich, Italien und England neue Wege in der Kunst und widmet sich im Gegensatz zur akademischen Lehre der Freiluftmalerei. Bereits 1903 wird Nölken Mitglied im „Hamburgischen Künstlerclub von 1897“,
der ersten progressiven Künstlervereinigung Hamburgs.

1904 feiert Franz Nölken erste Ausstellungserfolge: Der knapp zwanzigjährige Schüler des Hamburger Landschaftsmalers Arthur Siebelist verblüfft die Kunstwelt mit seinen virtuosen Meisterstücken. Dazu zählen auch aus dem gleichen Jahr die beiden großformatigen Gemälde „Am Brunnen“ und das meisterhaft ausgeführte „Selbstbildnis“ mit einem selbstbewussten, ja lässig-souverän und doch auch kritisch dreinblickenden Maler. In Borgeln bei Soest verbringt er immer wiederkehrend die Sommermonate, hier entsteht sein Brunnen-Bild, lässt er sich auf dem Hof seiner Tante ein eigenes Atelier bauen und gibt sich neben der Malerei dem intensiven Klavierspiel hin, das weit über die Felder zu hören ist. Seine ausgeprägte musische Begabung hat ihn anfangs zögern lassen, für welche der beiden Leidenschaften er sich würde entscheiden wollen.

Es folgen prägende Eindrücke, sowohl die Bildnismalerei Hans Holbeins auf seiner Reise in die Schweiz, als auch in Hamburg eine erste Begegnung mit dem französischen Impressionismus in den neuen Räumen der Dependance des Berliner Galeristen Paul Cassirer.
Ein mitreißender Vortrag des Kunsthistorikers Julius Meier- Graefe und dessen überzeugende Aufforderung Paris, die Stadt der Künste, besuchen zu müssen.

Ahlers-Hestermann schreibt später in seiner Gedächtnisschrift über seinen Freund: „Nölkens akademisches Können war schlechterdings vollendet, kannte keine Schwierigkeiten, seine fabelhafte Hand glitt über die Fläche mit derselben leichten Herrschergeste wie über die Tasten des Pianos.“ 1907 unternehmen Nölken, Ahlers- Hestermann und Walter Rosam eine erste Reise nach Paris. Hilfreich und türenöffnend ist die Unterstützung der in Paris lebenden Malerin Ida Gerhardi, die – mit der Familie Nölken verwandt – den jungen Malern durch ihre vielfältigen Beziehungen das Entrée zum Café du Dome ermöglichen kann. Nach der Auflösung des „Hamburgischen Künstlerclubs von 1897“ bemüht sich 1908 die Dresdner Künstlervereinigung Brücke um ihn. Nölken beteiligt sich an gemeinsamen Ausstellungen, ein Holzschnitt der Gruppe entsteht, der auch seinen Namen mit aufführt, doch nach kurzer Zeit entschließt er sich noch einmal Schüler zu werden.

Erneut unternimmt Nölken mit seinen Freunden eine Reise nach Paris. Die jungen Maler werden 1909-1910 Schüler des Fauvisten Henri Matisse in dessen Académie Matisse. Ziel ihres Besuches ist die Verbesserung ihrer Technik und vor allem die große Inspiration für ihr eigenes Schaffen. Matisses Konzeption einer harmonischen, nach innerbildlicher Balance von Farben und Formen strebenden Kunst vermittelt Nölken entscheidende Impulse – ebenso wie die Besuche im Louvre, in verschiedenen Galerien, bei Sammlern und die intensive Beschäftigung mit den Größen der französischen Malerei: Degas, Renoir, Cézanne und Picasso. Der Austausch mit den Künstlerkollegen erfolgt sowohl in der Académie als auch im Café du Dome, dem wichtigsten Treffpunkt vor allem auch der deutschen Maler in Paris.

Die Pariser Erfahrungen, 1914 durch eine dritte Reise vertieft, verleihen Nölkens Kompositionen einen neuen Klang. Die Wahl seiner Motive entwickelt sich auch hier: Landschaftsaufnahmen, Portraits, oftmals auch als Auftragsarbeiten, und immer wieder Aktzeichnungen und Gemälde.

Seine wichtigsten Sammler und Förderer, sowohl Ernst Rump als auch Otto Pauly bleiben ihm zeitlebens treu verbunden.

Seine herausragende musikalische Begabung führt ihn zur Freundschaft mit dem Komponisten Max Reger. Ihn portraitiert er immer und immer wieder. Als Reger 1916 stirbt, arbeitet Nölken an einer zweiten Serie von Bildnisradierungen.

Hier finden Sie den Flyer und die Presse-Information.