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Georg Paul und seine schöpferische Bauhaus-Rezeption

Vom 3. Februar 2019 bis zum 31. März 2019 zeigt der Kunstverein Kreis Soest die Ausstellung "Georg Paul und seine schöpferische Bauhaus-Rezeption". Die Eröffnung der Ausstellung findet am Sonntag, dem 3. Februar 2019, im Museum Wilhelm Morgner,
Thomästr. 1, 59494 Soest, statt.

Georg Paul gehört zu jener Künstlergeneration, die durch tragische Zäsuren im Leben und Werk geprägt war. 1901 geboren, erlebte er als Jugendlicher den Ersten Weltkrieg.1925 absolvierte er das Studium der Malerei und Grafik in Berlin an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst, die ab 1924 vom Architekten gleichen Namens–Bruno Paul –geleitet wurde. Geprägt durch die Lehrer der reformierten Kunstschule – u.a. Emil Orlik und Karl Hofer – setzte sich Georg Paul kontinuierlich mit der Moderne auseinander, die nach Machtantritt der Nationalsozialisten als „entartet“ galt. Der Großteil seiner frühen Arbeiten wurde beim Bombenhagel auf Berlin vernichtet, sodass nur die wenigen überlieferten Werke im Stil der Neuen Sachlichkeit auch die künstlerische Nähe zu Willy Jaeckel erahnen lassen. Die im April 1945 aus Berlin evakuierte Familie Paul fand in Sachsen-Anhalt Unterkunft und schließlich in Merseburg ein neues Zuhause. Ein Neuanfang als freischaffender Maler war für Georg Paul das ersehnte Ziel. In seinen Nachkriegsbildern knüpfte er sogleich wieder an die moderne Malerei an und beteiligte sich zunächst an Kunstausstellungen in Halle (Saale) und Merseburg. Mit Beginn der Formalismus-Realismus-Debatte verweigerte er sich jedoch konsequent gegenüber dem öffentlichen Kunstbetrieb in der DDR, die bis in die 1960er Jahre jegliche Anklänge an die Moderne als „formalistisch“ diffamierte. Selbst das Bauhaus-Erbe wurde offiziell verschmäht. Georg Paul hatte bereits 1947 aus Existenzgründen das Lehramt für Kunsterziehung und Deutsch an einer Oberschule in Merseburg, dem heutigen Domgymnasium, angenommen. Ungeachtet der kulturpolitischen Dogmen vermittelte er seinen Schülern die theoretischen Ansätze und Gestaltungsprinzipien der Klassischen Moderne. Parallel dazu schuf er ein vielseitiges künstlerisches Werk, in dem er auch ästhetische Impulse aus der Bauhaus-Malerei schöpferisch verarbeitete. Formale Anklänge an Bilder von Kandinsky, Klee, Feininger und Schlemmer gehörten ebenso zu seinem bildkünstlerischen Programm wie die eigene experimentelle Formensuche auf dem Weg zur Abstraktion als avantgardistische Ausdrucksweise eines freien Künstlerindividuums. Bedingt durch die politischen Umstände in zwei aufeinanderfolgenden Diktaturen konnte Georg Paul lange Zeit nur im Veborgenen malen. Dank der Unterstützung von Freunden und engagierten Galeristen erfuhr er in den letzten Lebensjahren öffentliche Würdigung durch Ausstellungen und Museumsankäufe. Die erste umfangreiche Retrospektive wurde aber erst 31 Jahre nach seinem Tod realisiert. Die beeindruckende Präsentation von 2011 in den alten Schlossgemäuern des Kulturhistorischen Museums Merseburg verdeutlichte Georg Pauls künstlerische Entwicklung zu einem Einzelgänger, der selbst für viele Kunstkenner noch ein "Geheimtipp" ist und den es mit dieser thematischen Ausstellung im Bauhaus-Jubiläumsjahr überregional zu entdecken gilt.

Dr. Dorit Litt Kuratorin der Ausstellung