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Vom 10. März bis zum 24. Juni 2018: "A touch of genius" Hans Kaiser und Fabian Ginsberg

K 2-88 Bildnis informell
Hans Kaiser, o. T., Bildnis aus der informellen Periode, Mischtechnik auf Leinen, frühe 1960er-Jahre, Städtischer Kunstbesitz Soest

Erste Ausstellung der KAISERREIHE, 11.03. – 24.06.2018,

Museum Wilhelm Morgner, Soest

Begleitveranstaltung am 21.04.2018, 15 Uhr: Katalogvorstellung, Lesung und Filmpräsentation. Weitere Informationen erhalten Sie hier.

Die Ausstellung „A touch of genius – Hans Kaiser und Fabian Ginsberg“ gibt den Auftakt zur Ausstellungsreihe „KAISERREIHE“ im Hans-Kaiser-Raum des Museums Wilhelm Morgner in Soest. Die Ausstellungsreihe ist eine Kooperation zwischen dem Museum Wilhelm Morgner und dem Hans-Kaiser-Kreis e.V. In jeder Ausstellung dieser Reihe sollen den Werken des Soester Künstlers Hans Kaiser (1914-1982) zeitgenössische Arbeiten aktuell tätiger Künstler gegenübergestellt werden. Dass dieses Ausgangskonzept des Hans-Kaiser-Kreises nicht das Naheliegende bedeuten muss, abstrakte Malerei von damals mit abstrakter Malerei von heute zu kombinieren, zeigt bereits die erste Ausstellung. Die Kuratorin Cora Waschke möchte durch ungewöhnliche Konfrontationen einen frischen Blick auf Kaisers Werke eröffnen.

Mit Fabian Ginsberg (*1983) treten Hans Kaisers Werken keine Malereien, vielleicht nicht einmal Bilder, sondern objekthafte „Apparate“ aus Holzrahmungen, Plexiglas und fotografischen Abbildungen entgegen. Gegenüber dieser augenscheinlichen Unterschiedlichkeit offenbart die Ausstellung das verbindende Element der Künstler nicht nur in der schriftlichen, sondern der dem Kunstwerk immanenten Reflexion über Darstellung und Wirklichkeit. So können Ginsbergs Arbeiten als Sichtbarmachungen materieller wie immaterieller Prozesse verstanden werden: Es geht ihm um die „Darstellung der Herstellung der Darstellung“.

 

Betrachtet man aus dieser Perspektive die Arbeiten von Hans Kaiser, so wird deutlich, dass auch er in seinen Bildern zunehmend eigene und unkonventionelle Mittel fand, Darstellung und Malerei im Bild zu reflektieren.

Hans Kaisers frühes Selbstbildnis (1948) präsentiert, wie ein klassisches Künstlerselbstbildnis, den Künstler Hans Kaiser mit Palette und Pinsel – aus dem Bild heraus bzw. in den Spiegel blickend. Es zeigt also den eigenen Herstellungsprozess. Im Hintergrund um den Malenden herum scheinen sich die Mittel der Malerei, die Farben der Palette und die Pinsel im Raum, verselbstständigt zu haben. Das Bildnis aus der informellen Periode (frühe 1960er Jahre) lässt weniger ein Gesicht erkennen, als es mit dicken Pinselstrichen seine Gemachtheit herausstellt und sich als informelles Bild präsentiert. Das Porträt von Remmer Andreesen aus dem Jahr 1971 zeigt einen Mann in einem nahezu naturalistisch gemalten Anzug, der vor einem abstrakten Bild zu stehen scheint, das von einem Spiegel reflektiert wird. Es entblättern sich mehrere Bilder im Bild. Durch die Ineinanderschachtelung der Bild- und Realitätsebenen werden in Kaisers Werken unterschiedliche Betrachtungsarten möglich. Die Vielfalt der künstlerischen Arbeitsweise bündeln sich in diesen und weiteren Werken Hans Kaisers zu einer Reflexion über das eigene wie über das künstlerische Schaffen zwischen der Wahrnehmung und Darstellung der inneren und äußeren Räume und Bilder.

Hans Kaisers Malereien stehen in der Ausstellung Werbebildern gegenüber, die Fabian Ginsberg von seinem Computerscreen abfotografiert hat. Diese Portraits und Selbstporträts zeigen wiederum Menschen vor ihren Laptops, Menschen wie sie Selfies knipsend in ihren Smartphones erscheinen oder per Face Time miteinander kommunizieren. Sie entstammen der Reklame eines Technologie-Konzerns, der seine Geräte und Programme zum Generieren von Bildern mit dem Slogan „A touch of genius“ bewirbt. Derartige Inhalte wie die Gegenüberstellung vom kreativen Künstlergenius mit der aktuellen Alltagspraxis des permanenten Bildergenerierens sind wie das innere einer Zwiebel anzusehen. Drumherum schichten sich bei Ginsbergs Apparaten Ebenen der Bildherstellung und Bildanalyse:

Die fotografischen Abbildungen der Werkreihe von 2017 füllen nur einen Teil der Holzrahmungen aus, über die Plexiglasplatten grob mit Schrauben befestigt sind. Durch die vom Künstler hervorgerufenen Kratzer im Glas werden die transparenten Ebenen sichtbar. Spiegelungen – fotografierte im Bild wie ephemere auf der Plexiglasscheibe – markieren und überwinden die Grenze von Bild- und Betrachterraum.

Unsere Vorstellung von Wirklichkeit deckt sich mit deren Repräsentation, die wir heute vor allem mit technischen Geräten und digitalen Programmen selbst hervorbringen, ohne dass wir uns darüber klar werden, dass diese unsere Wirklichkeit verzerrt und formiert ist – durch die Linsen der Smartphones und die Filter der digitalen Programme. Entgegen dieser derartig transparenten Wahrnehmung wird das Verhältnis zwischen Wirklichkeit und Darstellung in Ginsbergs Arbeiten opak.

Cora Waschke

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit einem Text der Kuratorin.

Hier finden Sie die Einladungskarte zur Eröffnung.

Begleitveranstaltung: Katalog Release, Lesung mit Fabian Ginsberg und kleine Filmpräsentation zu Hans Kaiser am 21. April.

Kurzbiografien:

Hans Kaiser

Geb. 1914 in Bochum. Als Maler Autodidakt, bezieht er 1936 ein Atelier in Bochum-Querenburg, wird zum Militär eingezogen, verweigert den Dienst an der Waffe und wird dank der Intervention eines Arztes als dienstuntauglich entlassen. 1942 zieht er in die Soester Börde, wo Landschaften und Porträts entstehen. Nach dem Krieg nimmt er an Ausstellungen in Ahlen, Hagen, Arnsberg und Münster teil. 1948 Beteiligung an der wichtigen Schau „Junger Westen“ in Recklinghausen. Es folgen Ausstellungen in Bochum, Hamm und Soest, wo sich Kaiser 1949 niederlässt. 1951 anlässlich der ersten Reise nach Paris lernt er Werke von Manessier und Mathieu und anderen abstrakten Malern kennen. Ein Jahr später organisiert er in Soest eine Ausstellung junger französischer Malerei. 1957 entstehen die „Losschreibungen“, Arbeiten, in denen Schrift und Schreiben eine wesentliche Rolle spielen. 1960 erster Aufenthalt auf Ibiza, wo Kaiser den Lyriker Ernst Meister trifft. In der Folge entsteht der erste Teil des „Ibizenkischen Tagebuches“, der bis 1965 um weitere Serien erweitert wird. Auf Ibiza lernt er den italienischen Maler Emilio Vedova kennen. 1963 Ausstellungen in Troyes, Witten, Oldenburg und Soest. 1973 eine Reise in die USA, nach New York und Washington, wo er für die Washington Cathedral ein Glasfenster vorbereitet. 1974 und 1976 Reisen nach Teheran. Es entstehen die „Imaginären Räume“, seine letzte Werkphase. 1979 veranstaltet das Morgner Haus in Soest die Retrospektive „Bilder 1938-1979“. Eine weitere Retrospektive wird 1980-81 im Märkischen Museum in Witten gezeigt. Am 2. Oktober 1982 stirbt Kaiser in seinem Atelierhaus in Soest.

Fabian Ginsberg (*1983)

studierte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Kunstakademie Düsseldorf, er war Meisterschüler bei Albert Oehlen (2009).

Auswahl an Ausstellungen: Organisation, Galerie Lucas Hirsch, Düsseldorf (S);

Organisation 2, Kunstverein Schwäbisch Hall (S); Disruption, NOUSMOULES, Wien (S); Fasi Lunari, Fondazione Carriero, Milano (G); Compromise, Simultanhalle, Köln (G)

Give, T66 Kulturwerk, Freiburg (G); Die Namensnehmerinnen, Kienzle Art Foundation, Berlin (S); Die Nase des Zweifels, Studio Mouchette, Berlin (S); Kunst, Salon Hünenberger, Berlin (S)

Es erschienen unter anderem folgende Bücher: Organisation 1&2, Kerber Verlag; Der Lügenwirt. Textem Verlag; Quallenkopf. Der Tausch von Verwandlung. Textem Verlag.

In der Ausstellungsreihe "KAISERREIHE" werden Werke des Soester Künstlers Hans Kaiser mit Arbeiten zeitgenössischer Künstler konfrontiert und in einen aktuellen Kontext gestellt. Die von der Kunsthistorikerin Cora Waschke kuratierten Ausstellungen sollen neue und ungewöhnliche Perspektiven auf Kaisers Oeuvre eröffnen, von dem vor allem informelle Bilder und Glasfenster bekannt sind. Die Besucher der jährlichen Ausstellungen lernen seltener gezeigte Werke Hans Kaisers zusammen mit Werken aktuell schaffender Künstler kennen, die zum ersten Mal in Soest und in Verbindung mit Kaiser gezeigt werden.
Zu jeder Ausstellung erscheint ein Katalog mit einem Text der Kuratorin.