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Kalender "Denkmal des Monats 2010" ist erhältlich

News vom: 27.11.2009

Kalender wird an mehreren Stellen verkauft

Der Verkauf des Kalenders 2010 mit den Denkmalen des Monats ist angelaufen. Die Arbeitsgruppe "Südliches Westfalen" der Arbeitsgemeinschaft "Historische Stadtkerne Nordrhein-Westfalen" gibt alljährlich einen solchen qualitativ hochwertigen Kalender heraus. Der Kalender kostet 11 Euro. Er ist in der Ritterschen Buchhandlung, in der Buchhandlung Dust, in der Soester Bücherstube Ellinghaus, im Bürger Büro der Kreisverwaltung, im Bürger Büro der Stadtverwaltung sowie bei der Abteilung Stadtentwicklung der Stadtverwaltung am Windmühlenweg erhältlich.

Die Villa Plange, ein Stück der europäischen Formsprache aus den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, steht im nächsten Jahr im Mittelpunkt aus Soester Sicht. Im März 2010 wird das Soester Beispiel für ein "Denkmal des Monats" offiziell vorgestellt. Wer sich schon jetzt einen ersten Eindruck verschaffen will, kann Informationen zu dem Denkmal im genannten Kalender finden und imposante Fotos dazu betrachten. In der Villa Plange ist heute das Kreisarchiv beheimatet.

Villa Plange ist das Soester Beispiel für das nächste "Denkmal des Monats"

Außenansicht der Villa Plange
Villa Plange

Die Proteste gegen Stilnachahmung und Historismus sowie die Veränderung der sozialen Strukturen der Gesellschaft am Ende des 19. Jahrhunderts waren die auslösenden Faktoren für die experimentelle moderne Architektur. Die Entwicklung einer neuen Formensprache, neuer Raumkonzeptionen sowie die Einführung neuer Konstruktionsverfahren und Materialien machten den Weg für die Umsetzung einer neuen Philosophie in der Architektur und im Städtebau frei. Die Familie Plange, der in Soest, Hamburg und Düsseldorf große Mühlenwerke gehörten, ließ eine der drei in Soest erstellten Bauwerke vom Architekten Bruno Paul (1874-1968) bauen. Villa Plange, Villa Sternberg und Villa Jahn stehen bis heute in der Stadt Soest, wobei sich nur die erste im Besitz der öffentlichen Hand befindet. Die Villa Plange beherbergt heute das Kreisarchiv.

Grundlegende Ideen für die Gestaltung

Die Formensprache der Villa Plange folgt ihrer damaligen Funktion und den Gestaltungsprinzipien der Architektenkollegen von Bruno Paul wie Mies van der Rohe ("Weniger ist Mehr") und Adolf Loos ("Ein Ornament ist ein Gestaltungsverbrechen"). Max Berg, Hans Pelzig sowie Bruno Taut und Walter Gropius gehörten ebenso zu dieser Familie der damaligen Avantgarde der Weltarchitektur.

Ein sehr breites Ideenspektrum der Moderne umfasste einige gemeinsame Gestaltungsprinzipien, die die Formensprache dieser Architekten beeinflusst haben. Das Prinzip war eine moralische Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft – Stadtplanung, Architektur und Industrie sollten deren gesellschaftspolitisches Pflichtgebot erfüllen.

Die Bauwerke waren Ergebnis der geplanten Funktion und der verwendeten Konstruktion. Diese gestalterischen Gemeinsamkeiten spiegelt auch die Villa Plange wieder:

o Flexibilität der räumlichen Aufteilung mit großen Fenstern, die eine Verbindung mit der umgebenden Natur und Landschaft herstellten;
o eine kubische leichte Form des Baukörpers, oft mit flachen Dächern;
o Vermeidung der Symmetrie und
o weiße bzw. in Pastellfarben gehaltene Fensterrahmen
- dies waren die Hauptgestaltungsmerkmale.

Möbel sind Teil des Denkmal-Ensembles

Möbel in einem Raum der Villa Plange
Blick in einen Raum der Villa

Lichtdurchflutete Räume betreten Gäste beim Besuch der Villa Plange, wie im populären Lied von Herbert Grönemeyer. Eine Folge sich verändernder Perspektiven prägt diese in den zwanzigen Jahren neu definierte Raumgestaltung, schlicht und sachlich, wie in der "Neuen Sachlichkeit", einer Strömung der Bildenden Künste damaliger Zeit.

Die von Bruno Paul 1927 entworfenen Möbel sind Teil des Denkmals. Sie wurden von den Deutschen Werkstätten in Dresden/Hellerau gefertigt und vom Richmondishaus in Köln ausgeliefert.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Villa Plange bei einem Bombenangriff stark beschädigt und, abgesehen von der Nordfassade, nach den alten Plänen wiederhergestellt.

Gründe für die Auswahl zum Denkmal des Monats

Ein Treppengeländer in der Villa Plange
Treppengeländer

Als "Denkmal des Monats März 2010" wurde die Villa Plange ausgewählt, weil sie zusammen mit den beiden anderen Bruno-Paul-Villen in Soest, der Villa Sternberg und der Villa Jahn, den Repräsentationswillen mittelständischer Unternehmer dieser Zeit dokumentiert.

Ein weiterer Grund für diese Auswahl war es, dass es in den 1920er Jahren in der westfälischen Kleinstadt Soest, also fernab von den damaligen großen kulturellen und wirtschaftlichen Zentren, alteingesessene mittelständische Unternehmer gab, deren Geschmack in keiner Weise dem Klischeebild von provinziellen Honoratioren mit dem beschränkten Horizont fortschrittfeindlicher "Bodenständigkeit" entsprochen hat. Die genannten Soester Bauwerke aus dieser Zeit zählen zu den avantgardistischsten und fortschrittlichsten in Europa wie jene Bauwerke in Soest aus dem Mittelalter zu ihrer Zeit.

Ein kurzer Blick in die Geschichte der Stadt Soest

Soest war während langer Perioden des Mittelalters, sowohl hinsichtlich der Größe und Einwohnerzahl als auch der wirtschaftlichen Bedeutung und der rechtlichen Stellung nach, eine der größten und mächtigsten Städte Deutschlands. Es gelang der Stadt dank günstiger politischer Entwicklungen und der durch die Hanse bedingten guten Handelsmöglichkeiten zur bedeutendsten Stadt in Westfalen mit über 10.000 Einwohnern aufzusteigen.

Nach der Soester Fehde (1444 — 1449) folgte eine allmähliche politische Isolierung der Stadt. Sie wurde verstärkt durch die Übernahme des evangelisch-lutherischen Glaubens im Jahre 1531 in einem nahezu vollständig katholischen Umfeld.

Die einstige besondere Bedeutung Soests ist in der gut erhaltenen Altstadt abzulesen. Das Erscheinungsbild wird geprägt durch die Befestigungsanlagen, durch sieben historische Kirchen, durch 540 Baudenkmäler und durch 318 als "erhaltenswerte Bausubstanz" eingestufte Gebäude, durch eine vielfältige Raumfolge enger Gassen, Straßen und Plätze sowie durch hohe Grünsandsteinmauern mit dahinter liegenden Gärten.

Die ganze Altstadt ist ein einziger Denkmalbereich

Seit 1996 ist der historische Stadtkern als "Denkmalbereich Altstadt Soest" komplett unter Schutz gestellt. Mit einer Größe von mehr als 125 Hektarn stellt der Stadtkern eines der größten Flächendenkmäler Deutschlands dar.