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Ausstellung "Klang der Frömmigkeit" im Museum Wilhelm Morgner

Westfalen verfügt über ein vielfältiges kirchenmusikalisches Erbe. Aber wer weiß schon, dass der Weihnachtsklassiker "Ihr Kinderlein kommet" in der heute bekannten Form aus Gütersloh stammt. Mit der Wanderausstellung „Klang der Frömmigkeit“ über Luthers musikalische Erben in Westfalen widmet sich der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in Kooperation mit dem rock’n’pop-museum Gronau und mit Unterstützung der Evangelischen Kirche von Westfalen dem Einfluss der Reformation auf die Musik bis zur Gegenwart. Die Ausstellung ist vom 25. März bis zum 20. Mai im Museum Wilhelm Morgner in Soest zu sehen.

Die Reformation verbreitete sich durch Musik. Die evangelische Kirche war von Beginn an eine singende, klingende Kirche. Für Martin Luther, auch als „Vater der Kirchenlieder“ bezeichnet, war Musik Mittel der Verkündigung, Geschenk Gottes und Medizin gegen das Böse. Lieder gaben der Gemeinde eine Stimme – und zwar nicht in der Liturgiesprache Latein, sondern allgemein verständlich auf Deutsch. Luthers Choräle sind heute Gesangbuchklassiker.

Auch die reformierte Tradition maß der Musik einen besonderen Wert bei. „Die Ausstellung begibt sich auf die Suche nach dem Sound der frohen Botschaft. Sie vermittelt multimedial Einblicke in die Geschichte der deutschsprachigen Kirchenmusik und dies auch über die Kirchenmauern hinaus“, so Verena Burhenne vom LWL-Museumsamt für Westfalen. „Mit überregionalen Stücken, aber auch Texten, Kompositionen und Vertonungen aus der Region soll Westfalens musikalisches Potential lebendig werden. Wir möchten die Musiktraditionen und Klangvielfalt Westfalens in Geschichte und Gegenwart durch Texte, Objekte, Bildquellen erlebbar machen.“

Wesentliches Exponat ist in dieser Ausstellung die Musik selbst, vermittelt in Ton- sowie Bild-Ton-Dokumenten. Darüber hinaus präsentiert die Ausstellung Instrumente, Gesangbücher und Notenblätter, Skulpturen, religiöse Druckgrafik, Gemälde, Materialien kirchenmusikalischer Veranstaltungen sowie Bühnenkleidung und -requisiten.

Das rock’n’pop-museum Gronau hat Interviews mit den Vertretern wichtiger Vermittlungsinstitutionen und aktiven Künstlern der religiösen Popmusikszene seit 1960 geführt, die Einblicke in Konzepte und Initiativen geben. „Es waren im Wesentlichen die Menschen und einzelne Initiativen, die bewegten und Akzente setzten. Westfalen prägte und wurde geprägt“, erläutert Dr. Thomas Mania, wissenschaftlicher Mitarbeiter im rock'n'pop-museum und verantwortlich für den Bereich Popmusik in der Ausstellung.

Im Rahmen des Jubiläums richten sich die Augen vielfach auf die Wiege der Reformation in den östlichen Teilen Deutschlands. Die Ausstellung möchte den Fokus aber auf Westfalen lenken. Mit seiner heterogenen konfessionellen Struktur und wechselvollen Geschichte verfügt Westfalen in der Kirchenmusik über eine lange Tradition, aber auch über regionale Varianten und örtliche Besonderheiten. So entwickelten sich in Westfalen besondere musikalische Traditionen, wie etwa die Posaunenchorbewegung in Ostwestfalen, das Gloriasingen in Soest, das Kantatefest in Herford oder die Musicals und Oratorien der Stiftung Creative Kirche in Witten. Zudem ist Westfalen eine bekannte Orgellandschaft. „Westfalia non cantat“ (Westfalen singt nicht“) heißt es gemeinhin. „Die Ausstellung verdeutlicht aber die vielfältigen Facetten der in der Reformation entstandenen und gelebten Musiktradition als Teil einer neuen, von aktiver Mitgestaltung geprägten Kultur“, sagt Burhenne.

Die Ausstellung ist thematisch gegliedert. Sie behandelt in fünf Kapiteln die Themen  

- Reformation und Musik in Westfalen,

- Singebewegung,

- Instrumente,

- politische Instrumentalisierung des Liedes und

- Popmusik.

Die einzelnen Aspekte werden mit Liedgut und Instrumenten erschlossen. Der Schwerpunkt liegt auf dem Gesang. Er ist neben Predigt und Liturgie in deutscher Sprache das Herzstück des protestantischen Gottesdienstes und des Gemeindelebens. Dieses Element setzte die aktive Beteiligung der Gemeinde voraus und ist bis heute in allen Regionen Westfalens ein zentraler Bestandteil der evangelischen Frömmigkeitspraxis.

Unter den Ausstellungsstücken sind historische Gesangbuchausgaben aus dem 16. Jahrhundert aus einer Privatsammlung von Pfarrer i.R. Wilhelm Gröne aus Menden. Zudem hat das Stadtarchiv Soest das kostbare Werk „Frewden Spiegel deß ewigen Lebens“ aus dem Jahr 1599 als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Das Trost- und Erbauungsbuch enthält im Anhang die Kirchenlieder „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ und „Wachet auf, ruft uns die Stimme“. Diese haben bis in die heutige Zeit weite Verbreitung gefunden und Wirkung entfaltet. Wiederholt hat man sie als „König und Königin unter den Chorälen“ bezeichnet. Der Theologe und lutherische Hofprediger Philipp Nicolai (1556-1608) hat das Buch unter dem Eindruck der Pest in Unna, wo er eine Pfarrstelle inne hatte, verfasst.

Mit einem Audio Guide können die BesucherTondokumente hören. Zu hören sind bekannte, aber auch weniger bekannte Lieder und Instrumentaleinspielungen. Unter den präsentierten Tonbeispielen finden sich auch Stücke mit westfälischem Bezug und Aufnahmen westfälischer Interpreten, wie etwa der evangelischen Kantorei Iserlohn. Daneben gibt es Film- und Hörstationen, die Eindrücke von Musikrezeption und -tradition vermitteln. Die Ausstellung wird ergänzt durch einen wissenschaftlichen Begleitband, der wesentliche Themen der Ausstellung vertieft und zum Teil neue Forschungsansätze bietet, in Bezug auf die Musikgeschichte des Kulturraums Westfalen. Darüber hinaus hat die Geschichtsmanufaktur Dortmund ein museumspädagogisches Begleitprogramm für Erwachsene sowie die Sekundarstufe II entwickelt.