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Besondere Archivalien

Berühmteste Archivalie: Das Nequambuch

Motiv aus dem Nequambuch mit Wippe
Motiv aus dem Nequambuch mit Wippe

Die besonderen Attraktionen unseres Archivs verdanken wir vor allem unserem großen mittelalterlichen Bestand. Berühmteste Archivalie ist sicherlich das Nequambuch (1315-1421), dessen dreizehn Buchmalereien immer wieder zur Illustration von mittelalterlichen Gerichtsszenen herangezogen werden und auch in Schulbüchern Verwendung finden. Die dreizehnte Miniatur mit der Darstellung des Wippens, einer mittelalterlichen Ehrenstrafe für Garten- und Felddiebe, wird heute noch durch die Soester Bürgerschützen nachgeahmt, die einmal im Jahr prominente Zeitgenossen in das Wasser des Großen Teichs wippen lassen.

Die älteste erhaltene Niederschrift des Soester Stadtrechts findet sich auf der „Alten Kuhhaut“ (um 1225), einer lateinischen Pergamenthandschrift im Format 55 * 72 cm. Auf 66 Zeilen werden die Rechtsbestimmungen, nach denen sich die Soester zu richten hatten, aufgeschrieben. Etwa 55 Jahre später, um 1280, wird in Soest die ähnlich große „Neue Kuhhaut“ ebenfalls mit lateinischen Rechtssätzen beschrieben, die nun nicht mehr die Kompetenz des Vogts enthält.

Um 1350 entsteht dann die mittelniederdeutsche Fassung des Stadtrechts, die alte Schrae, ein Stadtbuch mit repräsentativen Holzdeckeln im Format 31 * 45 cm. Aus dieser Schrae wurde den Stadtbürgern vermutlich einmal im Jahr das Stadtrecht vorgelesen. Als 1531, zur Reformationszeit, der Stadtsekretär das Recht nicht vorlesen konnte, gab es einen solchen Aufruhr, dass der Sekretär aus der Stadt flüchten musste. Das Buch hat sich dann hinterher wiedergefunden.

Zeugnisse von Martin Luther und Friedrich dem Großen

Die
Die "Alte Kuhhaut" mit dem Soester Recht, um 1225

Ein weiteres bildliches Zeugnis ist das sogenannte Femegerichtsbild aus dem 15. Jahrhundert, das drei Richter mit einem auf dem Tisch gelegten Schwert zum Zeichen ihrer Strafgerichtsbarkeit zeigt. Diese Abbildung ist die einzige zu einem Feme- oder Freigericht und wird daher ebenfalls sehr oft abgebildet. Im Zuge der schon erwähnten Reformation wandte sich der Soester Rat brieflich an Martin Luther. Luther und Philipp Melanchthon schrieben mehrfach an die Stadt Soest, letzterer sandte seine Schrift über die „anrichtung der latinischen Schuel“ auch nach Soest und empfahl einen Schulmeister für das junge Archigymnasium. Diese Briefe sind herausragende Zeugnisse der reformationsgeschichtlichen Überlieferung im Stadtarchiv.

Zuletzt sei noch auf das Schreibheft des siebenjährigen Kronprinzen Friedrich verwiesen, des späteren Königs Friedrich des Großen. Der Soester Johann Rembert Rode, der als Präsident der Rechnungskammer am preußischen Hof tätig war, erhielt das Heft mit Bibelversen aus der Bibliothek eines Berliner Schuldirektors. Man kann die Perfektion suchende Schreibweise des Sohnes Friedrich Wilhelms I. nachvollziehen, auch die Beurteilungen seines Lehrers Curas erscheinen auf den Blättern. Am Ende steht, wohl von Friedrichs Hand: Ende gut, alles gut.